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In den Landschaftsserien von Elisabeth Ochsenfeld lassen sich vielseitige
Zuständen beobachten. Die Farbe bewegt sich rasch, wie ein Strom, oder wird
amorph, ruhig, gleichgültig zur Form und dann wieder hart, undurchdringlich,
die Form unterordnend. Die ganze Komposition ist eine Reihe von Farbklängen,
in denen die Töne, wie in der Musik, voneinander abhängig sind und in einem
harmonischen Akkord verschmelzen.
Malerei und Musik, Malerei und Poesie ...
Die individuelle Persönlichkeit eines Künstlers prägt die jeweiligen Kunstarten.
Im Essay «ChancensTaken» beschreibt Elisabeth Ochsenfeld ihren Lebenslauf
und analysiert die Entwicklung ihrer Welt der Farbe.
Besonders charakterisierend ist die Beziehung der Künstlerin zur Natur. Elisabeth
nennt sich «sentimentale Reisende»; ihre Beschreibungen der Natur- Emotionen
sind voller Poesie, geboren in der Korrespondenz mit ihren Lieblingsorten. Im
Essay „Großelterngarten“ erinnert sich die Künstlerin an das Haus in den Bergen
in einem Banaterdorf, wo „… die Zeit langsamer (ist), die Sterne liegen dir auf den
Schultern, die Natur wacht einen Monat später auf, um dann plötzlich mit ihrem
kräftigen, geradestehenden gelben Löwenzahn die Wiesen zu bemalen. Die
Wälder schmücken sich mit saftigen Grünharmonien, so als ob eine gekonnte
Hand ein gewünschtes Muster über die Hügel und Berge freipinseln würde. Es
ist so wunderschön dort in meinem Großelterngarten“ *
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.
Der Garten scheint ein Bild der Natur zu sein, das zu einem integralen Teil der
Welt von Elisabeth geworden ist.
In den Serien der Künstlerin verschmelzen Reflexionen von Landschaftsmalerei
und Musik. Wichtig dabei sind vor allem der Rhythmus als eine zyklische
Wiederholung von bestimmten Formen oder Konfigurationen sowie die Harmonie
und die Verhältnismäßigkeit der Bewegung.
Besonders prägnant sind die den Bäumen gewidmeten Bilder. Die Birken von
E. Ochsenfeld sind Symbole des Lebens und dessen Mannigfaltigkeit.
Wir erinnern uns an die Symbolik heiliger Bäume, an die darin enthaltene göttliche
Vorausbestimmung, an die Symbolik der Fruchtbarkeit und die Erkenntnis von
Gut und Böse, die Nähe zum Garten, in dem die Erbsünde des Menschen
geboren wurde.
Die Vielfalt von Elisabeths Bäumen verwundert, bald ruhig und befriedet, bald
heftig, verwirrt. Unterschiedliche Konfigurationen werden durch das einheitliche
Element - Birken - vereinigt. Dabei komponiert der Rhythmus das Sujet. Es
gibt eine Menge von Variationen. Die Birkenstämme selbst werden durch eine
Abwechslung von weißen und schwarzen Flecken, in verschiedenen Situationen,
je nach Stimmung, dargestellt. Eine romantische Weltanschauung wird durch
diese Bilderübertragen.
Schwarz und Weiß…
Das rhythmische Liniengeflecht, die mächtige Dynamik der Farbflecken, wodurch
sich die innere Welt der Künstlerin mit dem tiefen geheimen Sinn der Dinge und
Erscheinungen der Welt verbindet, lassen eine Welt der Symbole und Bilder
entstehen, die Elisabeths inneren Zustand widerspiegelt. Die Farbe ist nicht nur
das Mittel der Gestaltung, sondern auch das der Meinungsfreiheit, der Projektion
des Weltbildes der Künstlerin.
Aber in den Werken von Elisabeth Ochsenfeld finden wir auch einen anderen
Weg der künstlerischen Darstellung: die klare rhythmische Komposition,
die Abwechslung von Birkengruppen in den längsläufigen Komplexen, wo
rhythmisch sowohl die Vertikale (die Stämme der Birken) als auch die Horizontale
(der Himmel, eine dichte Masse von Herbstlaub, Streifen von Stämmen oder
Feld existieren.
Und es gibt auch die vierte Modifikation. Auf dem horizontal ausgerichteten
dichten Hintergrund (rot, lila) sehen wir einige große Stämme, bei denen sich
das Schwarz mit dem Weiß sowie mit verschiedenen Schattierungen von Grau
abwechselt.
Die Gruppe wirkt sehr friedlich durch die Verriegelung der Birkenstämme
mit feingrünen Blättern und durch das flackernde, durch den dunklen Wald
eindringende Licht...
Die Stimmung, das Kolorit kontrastieren stark mit dem stürmischen und
leidenschaftlichen Impuls aus den Bildwänden wo die Komposition nicht nur
mit Hilfe von Farbflecken geschaffen wird. Hier ist die Nähe zum Abstrakten
sichtbar, schwarze Flecken und seltene Linien (horizontal, vertikal, schräg - grün,
schwarz, weiß)auf gelbem Hintergrund symbolisieren den Sturm
Bei Elisabeth Ochsenfeld können wir das Geschwirr des Orkans hören, fliegende
Blätter, Fragmente von Zweigen schlagen auf uns ein ...
Hier finden wir in der Malerei die Bewegung, die durch das Spiel der Farbflecken
und Formen hörbar wird.
Dies sind nur einige Bemerkungen über einige Werke und das Schaffen von
Elisabeth Ochsenfeld, die den Traum ihres Lebens zu verwirklichen versucht -
den „Großelterngarten“ im realen irdischen Leben und in der Kunst zu schaffen.
OLGA ELCAN Übersetzung aus dem Russischen
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